Für Autoren

(c) Perry Rhodan FanZentrale
Erstveröffentlichung in SOL Nr. 17 - 1/00

 

Einige Tipps für angehende Autoren (4/12)

von Klaus N. Frick

Nachdem wir in den bisherigen Teilen dieser Serie einige grundsätzliche Dinge geklärt haben, die ein Autor beherzigen sollte, bevor er mit dem Schreiben beginnt, soll es diesmal einige konkrete Tipps geben.
Um es aber gleich im Voraus klarzumachen: Die Regeln, die in den folgenden Zeilen aufgestellt werden, sind nicht unbedingt verbindlich. Je besser ein Autor ist und umso besser er sich auf die Feinheiten der deutschen Sprache versteht, umso souveräner kann er sprachliche Hürden umschiffen – und dann eben Dinge tun, die eigentlich als »schlecht« gelten. Wobei das ohnehin häufig schlicht eine Geschmackssache ist ...

Nehmen wir zudem noch mal eines vorneweg: Die Erläuterungen in dieser Reihe dienen Autoren, die unterhalten und ihre Leser erreichen wollen. Wer Lyrik schreibt oder schwerst anspruchsvolle Literatur, ist hier nicht richtig – für diese Art Literatur gelten andere Regeln.
Dasselbe gilt für »Schubladen-Literaten«: Wer in erster Linie für sich selbst schreibt, braucht sich nicht an Regeln zu halten. Es spricht nicht das Geringste dagegen, für die Schublade zu schreiben. Solche Literatur hat ihre größte Bedeutung für den Autor oder die Autorin selbst und leidet eigentlich am meisten, wenn man sie mit aller Gewalt ans Licht der Öffentlichkeit zerrt.

Wer aber für ein größeres Publikum und nicht nur für die Schublade schreibt, tut gut daran, sich über eines Gedanken zu machen: Wer liest meine Texte? Und wie schaffe ich es, meinen Leser so zu packen, dass er den Text komplett liest und ihn auch komplett versteht? In Zeiten wie diesen, in denen die Informationshäppchen immer kleiner werden und immer schneller auf den Leser oder Betrachter hereinprasseln, ist es mehr als nur sinnvoll, dem Leser den Text mundgerecht zu machen. Das heißt nicht, dass man »dumm« schreiben soll – das ist in erster Linie eine Aufforderung, sauber und präzise zu schreiben!
Eindeutige Formulierungen

Man erkennt schlechte Texte sehr schnell, selbst wenn die Autoren keinen grammatikalischen Fehler begangen haben: Sie »holpern«. Auch der Leser, der sich nicht mit den Feinheiten der deutschen Sprache auskennt, bemerkt das sehr schnell, wenngleich er den Fehler vielleicht nicht klar zu benennen weiß. Die grundsätzlichen Fehler lassen sich auf wenige Punkte reduzieren. Beschreibungen sind ungenau, Sachverhalte werden weit ausschweifend erläutert, Handlungen verlaufen gewissermaßen »falsch«, und Dialoge entfernen sich meilenweit von dem, was Menschen wirklich sagen.

Entscheidende Übung für jeden Autor ist also, sich genau zu überlegen, ob die Formulierung, die er (oder sie – natürlich!) benutzt, auch so stimmt. Ist die Sprache aussagekräftig genug? Passen die Worte? Welche Worte sind zu viel? Versteht jeder, was ich damit sagen will?
Schlecht ist beispielsweise eine Formulierung wie: »Rainer befand sich hinter dem Busch.« Was tut Rainer denn da? Sitzt Rainer? Steht Rainer? Kratzt sich Rainer an der Nase? Folgende Formulierung ist eindeutiger: »Rainer stand hinter dem Busch.« Oder eben: »Rainer kauerte hinter dem Busch.« Mit dem »Kauern« wird dem Leser ganz nebenbei ein Bild vermittelt: Er weiß, dass es dem Helden wahrscheinlich nicht optimal geht, denn »kauern« ist keine sehr bequeme Körperhaltung.
Jederzeit ist eine Formulierung wie »Peter rannte um die Ecke« einem Satz wie »Peter bewegte sich schnell um die Ecke« voranzuziehen. Wobei übrigens »Peter rannte schnell um die Ecke« richtig falsch wäre, geradezu doppelt formuliert, denn jemand, der rennt, ist im Allgemeinen auch schnell.

Soweit mal ein kurzer Einblick. Die wichtigste Lektion, die ich vermitteln will, ist, dass man jeden Text gründlich prüfen sollte. Die erste Prüfung sollte sein, ob das Wort überhaupt stimmt und ob es die richtige Bedeutung besitzt – und die zweite Prüfung muss sein, ob der Satz im richtigen Zusammenhang steht.
Kommen beispielsweise viele Sätze, die den gleichen Aufbau besitzen, hintereinander, schleicht sich beim Leser sehr schnell das Gefühl von Langeweile ein. Also bitte gerne mal die »Richtung« wechseln, die der Satz einschlägt. Nicht immer müssen in der deutschen Sprache Subjekt, Prädikat und Objekt so aufeinander folgen wie es hier klingt – hier kann fleißig variiert werden. Mehrere »und«-Konstruktionen hintereinander können echt tödlich sein.

Hilfreich ist dabei übrigens, sich jeden Satz einmal laut vorzulesen. Ich werde nie den Tag vergessen, an dem Joachim Körber, ein bekannter Übersetzer (unter anderem übertrug er Stephen-King-Romane ins Deutsche) aus seinem ersten Buch vorlas. Er las die ersten Seiten seines Horror-Romans, und plötzlich blickte er auf, blickte uns, sein Publikum also, an und lachte kurz. »Mein Gott!« sagte er und lachte erneut. »Ist das schwülstig!« Er hatte seinen Text zum ersten Mal laut gehört und prompt einige umständliche Formulierungen bemerkt.

Un- und Füllwörter

Wortwiederholungen sind ebenso schrecklich wie umständliche Formulierungen. Wobei natürlich gewisse Wortwiederholungen in fein dosierter Form zu bestimmten Wirkungen führen können, die der Autor beabsichtigt hat – das ist aber wieder ein Sonderfall. Dabei gibt es neben Wortwiederholungen, die sich schon mit Hilfe eines Synonym-Lexikons bekämpfen lassen, etwas Schlimmes – die sogenannten Unwörter.
Ich nenne diese Wörter gerne »Unwörter«, wobei die Formulierung nicht von mir stammt. Eingebleut wurde sie mir von meinem Chef in der Agentur für Public Relations, in der ich drei Jahre lang arbeitete – der Mann ist heute Chefredakteur der führendsten Zweiradzeitschrift im deutschen Sprachraum. Und von ihm habe ich noch einmal richtig viel lernen können.
Schlimm ist beispielsweise die »Maßnahme«. Es mag sein, dass das Wort bei Schneidereien oder beim Totengräber gut angebracht ist, wenn beispielsweise an einem Menschen oder eben seiner Leiche „Maß genommen“ wird. Ansonsten hat das Wort in erster Linie seinen Ursprung im Beamten-deutsch, wo es auch bleiben sollte. Natürlich will ich das Wort »Maßnahme« nicht komplett verteufeln – aber man sollte es gründlich reduzieren. Vor allem in Zusammenhang mit »durchführen« ist es ganz besonders grässlich.

Mein liebstes Beispiel: »Sie führen eine Reparaturmaßnahme durch.« Was ist denn gemeint? Gemeint ist: »Sie reparierten etwas.« Das klingt vielleicht schlichter – aber es ist einfach richtiger. Aber was ist mit folgendem Satz gemeint? »Die Regierung will mit einem Bündel von Maßnahmen eine Reduzierung der Steuerlast durchführen.« Könnte man nicht einfach schreiben: »Die Regierung will die Steuern reduzieren.« Noch besser: »... die Steuern senken.« Das versteht jeder, es ist schlicht, aber nicht schlecht.

Die »Maßnahme« hat dieselbe Funktion wie das »durchführen«: Sie bläht Sätze auf, macht sie unübersichtlich und verschleiert häufig, was eigentlich gemeint ist.
Ein anderes Unwort, das ich sehr gerne habe, ist das »ausführen«. »Ausgeführt« werden Waren ins Ausland – da passt es. Es passt aber nicht zu Dialogen. »Mir geht es gut, führte er aus«, ist einfach falsch. Hier passt das schlichte Wort »sagen« viel besser. Auch die »Ausführung« bläht gerne einen Satz auf.

Und wenn wir schon dabei sind: »Erwidern« wird gerne falsch benutzt, auch von honorigen Autoren und Übersetzern. »wider« steht schon die Verneinung, also sollte das Wort »erwidern« am besten nur bei Verneinungen eingesetzt werden. Auf »Wie geht es dir?« kann man eigentlich nicht »erwidern«, sondern höchstens mit einem »gut« oder »schlecht« antworten. Anders ist es mit einer »erwidernden«, also verneinenden Antwort auf eine Frage wie »Hat es dir gefallen?«
Man mag mich jetzt päpstlich schimpfen, wenn ich gegen Worte wie »beinhalten« (Substantive, die zu Verben werden, sind immer schlecht, besonders schlimm ist aber das »beinhalten«) oder das »erklären« (ich kann jemand die Liebe oder den Krieg erklären, ich kann auch meine Steuererklärung abgeben, aber ich erkläre normalerweise nicht ein eine Sache, bei der das »erläutern« die richtige Formulierung wäre) ins Gefecht ziehe.

Vielleicht übertreibe ich auch. Aber es geht mir um eines: Der Autor soll sich bitteschön überlegen, ob das Wort, das er an der betreffenden Stelle benutzt, nun das ideale ist oder nicht. Ein bisschen Nachdenken hat noch niemand geschadet. Manche Autoren indes scheinen wirklich zu meinen, ihnen fliege dank ihrer Genialität alles von selbst zu ... Ein bedauerlicher Irrtum!

Was sich jeder Autor im Übrigen zur Pflicht machen sollte, ist ein konsequentes Nacharbeiten seines Textes. Heutzutage ist das ja ganz einfach: Man schreibt seinen Text mit dem Computer, druckt ihn irgendwann aus, kann ihn auf dem Papier bearbeiten, diese Korrekturen in den Computer einhacken und das Werk auf diese Weise gründlich nachbearbeiten. Den Ausdruck auf Papier zum Korrigieren halte ich für wichtig, weil man einen ganz anderen Bezug zu seinem Text bekommt. Das Ausdrucken ist fast so gut wie das laute Vorlesen eines Textes!
Jeder Autor hat Lieblingswörter. Die gilt es zu reduzieren. Ich leide beispielsweise an der »noch-schon-auch«-Krankheit – diese Wörter tauchen in meinen Texten viel zu häufig auf. (Darüber hinaus neige ich dazu, zu viele Gedankenstriche und Doppelpunkte zu setzen. Aber das ist wieder ein anderes Thema ...) Also muss ich bei meinen Texten hinterher speziell nach diesen Wörtern schauen, um sie zu ersetzen oder – noch besser! – einfach zu streichen. Meist kann man solche »Füllwörter« ganz einfach streichen.

Es gibt übrigens auch »Füllsätze«, die dann gerne gesetzt werden, wenn dem Autor nichts Besseres einfällt und er seinen Text mit aller Gewalt verlängern will. Ich habe schon Romane und Geschichten gelesen, in denen es von »Er nickte« oder »Er zuckte mit den Achseln« oder »Er blickte sie an« nur so wimmelte, größtenteils an Stellen, wo ebendiese Formulierungen völlig überflüssig waren. Raus mit dem Zeug! Das ist Zeilenschinderei!

Und das schlimmste, was ein Autor tun darf, ist meiner Meinung nach Zeilenschinderei. Womit diese Predigt auch zu Ende wäre ...

Klaus N. Frick

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