Für Autoren

(c) Perry Rhodan FanZentrale
Erstveröffentlichung in SOL Nr. 16 - 4/99

 

Einige Tipps für angehende Autoren (3/12)

von Klaus N. Frick

Eigentlich ist das mit dem Schreiben doch ganz einfach: Man setzt sich an einen Tisch, nimmt sich einen Block Papier und einen Stift und schreibt los. Okay, neuerdings nimmt unsereins einen Computer zu Hilfe – der eigentliche Vorgang des Schreibens ist aber nach wie vor primitiv. Woran liegt es dann, dass so viele Autoren nicht über das Stadium des weißen Blattes Papier oder des hilflos vor sich hin flimmernden Bildschirms am Computer hinauskommen?

Seien wir ehrlich: Oft liegt es daran, dass sich angehende Autoren nicht so richtig klar werden, worüber sie schreiben wollen. Im Rahmen eines Autoren-Workshops während der Science-Fiction-Tage NRW in Dortmund im Frühjahr dieses Jahres fragte ich die Hobby-Autorinnen und -Autoren nach ihren spezifischen Problemen. Genannt wurde beispielsweise: »Ich weiß nicht so richtig mit meiner Hauptfigur umzugehen.« Oder eben: »Mir ist nicht so richtig klar, wo meine Geschichte hingehen soll.« Beide Probleme lassen sich leicht in den Griff bekommen, wenn man sich dafür ein bisschen auf den Hintern setzt.

Das Datenblatt

Machen wir uns eines klar: Von einer glaubwürdigen Hauptperson hängt unter anderem der Verlauf der ganzen Geschichte ab. Glaubwürdig kann diese Hauptperson aber nur sein, wenn ich als Autor mehr über meinen Helden weiß als mein Leser. Nur dann kann ich schließlich meinen Leser mit Wendungen meines Helden überzeugen – weiß der Leser gleich auf der ersten Seite alles über meinen Helden, kann das ganz schön langweilig sein.
Was mache ich also als erstes? Ich lege mir eine Art Datenblatt für meinen Helden zu. Das geht heute mit dem Computer ganz gut, kann aber auch ganz altmodisch mit einem Blatt Papier geschehen. Wie viel ich auf dem Blatt notiere, hängt allerdings von den Erfordernissen der Geschichte ab. Für eine zwei Seiten umfassende Kurzgeschichte brauche ich sicher weniger Details als für einen 400seitigen Roman.

Der Name

Wie heißt unser Held beispielsweise? Ein Name ist natürlich völlig gleichgültig, und im PERRY RHODAN-Zeitalter des 49. Jahrhunderts kann jeder Name so gut funktionieren wie der andere. Völlig klar. Nur ist mein Held nur dann für den Leser präsent, wenn er einen guten Namen hat, einen Namen, den sich mein Leser merken kann. Das ist im übrigen eh das wichtigste: Ich will, dass mein Leser bei der Stange bleibt und er es bei der Lektüre so einfach wie möglich hat. Dafür muss ich ihm nicht unbedingt mit einem möglichst komplizierten Namen zusätzlich beschäftigen.
Perry Rhodan beispielsweise ist ein hervorragender Name, Atlan sowieso. Bei der Konkurrenz ist wohl Luke Skywalker ungeschlagen. Das kann sich jeder merken, dieser Name schwingt gewisser-maßen im Leser oder Zuschauer nach. Ganz langweilig sollte der Name vielleicht auch nicht gerade sein. »Peter Müller« kann funktionieren, ist bei einer SF-Geschichte aber nicht unbedingt das spannendste.

Vermeiden sollte man übrigens Namen, die mit »s« oder ähnlich lautenden Buchstaben enden. Es sieht immer blöde aus, wenn der Held beispielsweise »Maas« heißt und in einem Roman immer von »Maas‘ Gleiter« oder »Maas‘ Anzug« die Rede ist. Dann doch lieber »Maar«, um einfach einen anderen Buchstaben ans Ende zu setzen.
Ihr seht schon, dass der Name mal gar nicht so unwichtig ist. Da darf der Autor ruhig mal die eine oder andere Minute investieren. Dann passt das auch viel besser und wirkt nicht ganz so beliebig. Nur Mut!

Das Aussehen

Wenn es für den Fortgang der Geschichte nicht unbedingt nötig ist, muss das Aussehen des Helden keine Rolle spielen. Der Autor aber sollte sehr genau wissen, wie sein Held aussieht: Haarfarbe, Augenfarbe, die Körpergröße und andere Details sind interessant und können eine Geschichte immer wieder lebendig gestalten.
Ist unser Held nämlich durchschnittlich groß, also um die 1,80 Meter, dann muss er zu einem Haluter oder Ertruser aufschauen. Zu einem Überschweren schaut er hinunter – aus solchen Anmerkungen lassen sich unter Umständen hübsche Charakterisierungen erarbeiten. Um so etwas erarbeiten zu können, muss ich aber vorher wissen, wie groß mein Held ist. Ebenso sollte ich wissen, welche Augen- und Haarfarbe er hat – das kann durchaus interessant sein.
Ob dem Helden unbedingt eine Besonderheit angedichtet werden muss, ist die andere Frage. Wegen mir darf er gerne eine Narbe im Gesicht haben oder die Haare gerne in einer bevorzugten Art tragen. Wichtig ist dies aber nicht unbedingt. Es kann die Geschichte abrunden, muss es aber nicht unbedingt.

Der Charakter

Schon vom Aussehen her lassen sich gewisse Charakterzüge herleiten. Hat der Held eine gewisse »Macke«? Reibt er sich über eine kleine Narbe am Nasenflügel? Verzieht er sein narbiges Gesicht, wenn er grinst? Zuckt er beispielsweise mit dem rechten Auge? Beißt er sich auf die Unterlippe, wenn es spannend wird? Sagt er gerne »na also«? Diese kleinen Details können den Verlauf einer Geschichte durchaus beeinflussen. Umso besser, wenn sich der Autor diese Details vorher überlegt hat und sie nicht erst mühsam im Verlauf der Geschichte einbauen muss.
Sammelt unser Held etwas? (Myles Kantor sammelt Uhren, Ronald Tekener sammelt Waffen, Atlan sammelt alte Adelstitel ...) Hat unser Held künstlerische Vorlieben, hört er gerne Musik, oder geht er gerne in Kunstausstellungen? Solche Dinge muss der Leser nicht unbedingt wissen. Schlau ist es aber, wenn der Autor es weiß und solche Dinge bei Gelegenheit und Bedarf in den Roman einarbeitet ...

Die Biographie

Fehlt noch ein bisschen der biographische Hintergrund unseres Helden. Nehmen wir an, die Geschichte spielt im Jahr 1290 Neuer Galaktischer Zeitrechnung und unser Held ist durchschnittlich alt – also um die sechzig Jahre. Dann ist er also im Jahr 1230 geboren; behaupten wir einfach mal, auf Terra. Die Folgen, die sich daraus für die Geschichte herleiten, sind ziemlich spannend.
Unser Held wuchs dann nämlich in einer Zeit auf, in der die Aktivatorträger bereits ihr Camelot-Projekt begannen, in der gleichzeitig die Spannungen in der Galaxis anstiegen und sich die Liga Freier Terraner und das Kristallimperium argwöhnisch beäugten. Die Zeiten, in denen alle Galaktiker versuchten, an einem Strang zu ziehen, hat er nicht mitbekommen. Er wird sich also nie als Galaktiker verstehen, sondern nur als Terraner – das ist schon einmal recht wichtig für den Hintergrund der Person. Zudem hat er die Tolkander-Invasion durch die Medien und die Dscherro durch eigene Anschauung mitbekommen.

Diesen Hintergrund für eine Person sollte jeder Autor erarbeiten, auch wenn er ihn für die Geschichte nicht unbedingt braucht. Es ist jedoch immer wieder hilfreich, so etwas zu wissen. Dann lassen sich Reaktionen des Helden oder persönliche Gewohnheiten leichter herleiten. Und es lassen sich einige Pannen vermeiden.
So wird beispielsweise ein Held, der im Jahr 1130 NGZ auf der Erde geboren worden ist (bei einer Lebenserwartung von bis zu 200 Jahren ist dies durchaus realistisch!), nie von einer unbeschwerten Kindheit reden können. Zu dieser Zeit lebten die Menschen nämlich nahezu alle in der Simusense, und die Milchstraße wurde von den Cantaro beherrscht. Wer also unbedingt einen Helden in seiner Geschichte haben will, der 160 Jahre alt ist, der sollte sich vorher sehr gründlich dessen Biographie überlegen ...

Die Folgen daraus

Das ist dann das entscheidende daran. Habe ich genügend Hintergründe über meine Figur erarbeitet, um die ich meine Geschichte stricken will, ergibt sich vielleicht schon von selbst die Story – oder der Plot, oder die Handlung, was immer man auch sagen will. Aufgrund der Hintergründe einer Figur erarbeiten sich irgendwelche Spannungen und Konflikte schon von selbst. Und auf deren Basis lässt sich trefflich weiterarbeiten.
Nehmen wir als Beispiel noch mal unseren 160 Jahre alten Helden, der auf der Erde geboren wurde (in vitro?) und die letzten Auswirkungen der Simusense komplett mitbekam. Behaupten wir doch einfach mal, dass dieser Mann daraus eine Marotte entwickelt hat, dass er keine virtuellen Welten mehr betreten möchte. Und auf technische Spielereien verzichtet er so gut wie vollständig; er rechnet beispielsweise lieber etwas auf dem Papier aus, anstatt einen Syntron zu fragen.

Damit haben wir einen wesentlichen Charakterzug von ihm beschrieben – und können uns zahlreiche weiterführende Ideen ausdenken. Kleines Beispiel gefällig? Unser Held muss, um als Detektiv erfolgreich seinen Fall zu lösen, sich der Hilfe eines syntronischen Programms bedienen, mit dessen Hilfe er sich in die Psyche eines möglichen Mörders hineindenken kann. Daraus ließe sich eine spannende Geschichte herleiten, denn natürlich kann unser Held nicht so einfach mit diesem Programm arbeiten ...
Von dieser Sorte ließen sich genügend Ideen entwickeln. Und das ist dann ganz einfach, die Grundlagen sind schließlich gelegt. Jetzt muss nur noch geschrieben werden, oder nicht? Dazu vielleicht beim nächsten Mal mehr ...

Klaus N. Frick

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